Schachmuseum Löberitz

grossdeutscher schachbundGroßdeutscher Schachbund (1933 - 1945)

Der Großdeutsche Schachbund (GSB, teilweise auch GDSB) war eine nationalsozialistische Schachorganisation mit Sitz in Berlin. Der Großdeutsche Schachbund war von 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs die Dachorganisation der deutschen Schachspieler. Doch der Verband hatte schon einen Vorläufer.

Anfang der 1930er Jahre gehörte nur etwa jeder vierte organisierte deutsche Schachspieler einem Mitgliedsverein des Deutschen Schachbundes an. Die übrigen waren in den parteipolitisch (SPD, KPD) orientierten Arbeiterschachvereinen, den Schachabteilungen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes und in mehreren katholischen Schachorganisationen, darunter der „Schachbund im Katholischen Jungmännerverband“ (mit 1933 rund 4.000 Mitgliedern), organisiert. Da Doppelmitgliedschaften möglich waren, kann die Gesamtzahl der am Ende der Weimarer Republik organisierten Spieler nur ungefähr auf 30.000 bis 40.000 Schachspieler geschätzt werden.

In diesem Umfeld gründeten Berliner Schachaktive am 13. Dezember 1931 einen weiteren, nationalsozialistischen Schachverband, der sich als „Großdeutscher Schachbund“ bezeichnete. In der Bezeichnung kam zum Ausdruck, dass sich der Verband ausdrücklich auch an die Schachspieler unter den Auslandsdeutschen richtete. Zum Vorsitzenden wurde Bruno Hartmann bestimmt. Es handelte sich um eine rein politisch motivierte Gründung. Über einen Spielbetrieb oder Vereine, die dem GSB bis 1933 beitraten, ist nichts bekannt.

Nach der „Machtergreifung“ 1933 verfolgte die NSDAP-Führung das Ziel, die bestehende Vielfalt in der Schachorganisation durch eine Einheitsorganisation unter dem Dach des GSB zu ersetzen. Den Arbeiterschachvereinen wurde schon Anfang 1933 die Betätigung verboten. Ihre Mitglieder durften in andere Vereine eintreten.

Die Überführung der bestehenden Schachorganisationen in den Großdeutschen Schachbund wurde am 23. April 1933 beschlossen. Dieses Datum galt in den zeitgenössischen Darstellungen als Gründungsdatum des GSB. Bundesleiter wurde Otto Zander, zum Geschäftsführer wurde Ehrhardt Post bestellt. Ende Mai 1933 übernahm Dr. Joseph Goebbels den Ehrenvorsitz des GSB.

Zeitweilig widerrief danach der Deutsche Schachbund seine Zustimmung und berief einen nationalsozialistischen Funktionär an seine Spitze. Der Versuch des Deutschen Schachbundes, die Eigenständigkeit auf diesem Weg zu behaupten, schlug fehl und die Ablösung durch den GSB wurde im Juli 1933 bestätigt. Der Großdeutsche Schachbund richtete gleichzeitig in Bad Pyrmont seinen ersten Kongress aus, der seinen Führungsanspruch deutlich machte. Die Landesverbände und Mitgliedsvereine des Deutschen Schachbundes wurden in den GSB aufgenommen. Sie mussten noch im Juli 1933 außerordentliche Mitgliederversammlungen abhalten, auf denen nach Möglichkeit ein Mitglied der NSDAP zum „Vereinsführer“ gewählt werden sollte. Der Vereinsführer ernannte entsprechend dem Führerprinzip weitere Mitarbeiter, etwa einen „stellvertretenden Führer“, einen Schriftführer oder einen „Mannschaftsführer“. Der Deutsche Schachbund bestand formaljuristisch bis 1934 fort.

Die katholisch gebundenen Schachorganisationen führten infolge des Reichskonkordats, welches das Weiterbestehen der katholischen Organisationen regelte, noch bis 1937/38 eine eingeschränkte Sonderexistenz. Ähnliches galt in diesem Zeitraum (bis zu den Novemberpogromen 1938) für die jüdischen Schachorganisationen, die erst infolge der Ausgrenzung der Juden aus dem GSB nach 1933 entstanden waren.

Nach 1935 erwuchs dem GSB als landesweiter Organisation teilweise Konkurrenz durch die Schachgemeinschaft der NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF). Die KdF-Schachgemeinschaft, die sich ebenfalls um die Ausrichtung von Wettkämpfen und Turnieren bemühte, blieb ab 1938 darauf beschränkt, Aufgaben im Breitenschach zu übernehmen und insbesondere die Betriebsschachgruppen zu organisieren.