Schachmuseum Löberitz

Der GSB hatte in seiner Satzung festgelegt, als Mitglieder „nur Deutsche arischer Abstammung“ aufzunehmen (Arierparagraph). Bereits im Frühjahr 1933 mussten alle jüdischen Schachfunktionäre von ihren Ämtern zurücktreten, allen voran der Präsident des Deutschen Schachbundes, Walter Robinow. Noch im Mai 1933 schrieb Heinrich Ranneforth in der Deutschen Schachzeitung: „Wer deutsch fühlt und handelt und sich dadurch dem deutschen Volk innerlich verbunden fühlt, warum soll man den nicht als Volksgenossen gelten lassen?“ Aber bereits ab Juli 1933 durften Juden nicht mehr Mitglieder von Schachvereinen innerhalb des GSB sein. Beispielsweise musste der frühere Schachweltmeister Emanuel Lasker aus der Berliner Schachgesellschaft, deren Ehrenmitglied er war, ausgeschlossen werden. In dieser Zeit wurden einige rein jüdische Schachvereine gegründet, die teilweise bis 1938 Bestand hatten. 1935 und 1937 fanden sogar „Jüdische Meisterschaften“ statt, die von Sammi Fajarowicz gewonnen wurden.

Ab 1936 gab der GSB unter dem Titel „Bücherei des Großdeutschen Schachbundes“ eine Schriftenreihe heraus. In deren Publikationen wurden einige nach jüdischen Schachspielern benannte Eröffnungsvarianten umbenannt und alle darin abgedruckten Partien mit jüdischer Beteiligung von „arischen“ Meistern gewonnen. Damit wurden den Lesern viele der besten Schachpartien vorenthalten, waren doch die führenden Schachspieler im Zeitraum zwischen 1880 und 1930 größtenteils Juden gewesen.

Im Frühjahr 1941, als der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt noch Bestand hatte, erschien vom damaligen Weltmeister Alexander Aljechin in zwei Zeitschriften eine Artikelserie mit der Überschrift „Jüdisches und arisches Schach, eine psychologische Studie, die − gegründet auf die Erfahrungen am schwarz-weißen Brett − den jüdischen Mangel an Mut und Gestaltungskraft nachweist“, die nachweisen sollte, dass „Arier“ aufgrund ihrer Anlagen – insbesondere aufgrund ihres „Kampfgeistes“ – die besseren Schachspieler wären. Aljechin, der nach 1941 auch finanzielle Unterstützung von deutscher Seite erhalten hatte, verließ dann auf Grund der Kriegsentwicklung 1943 das Deutsche Reich und siedelte sich im neutralen Spanien an.

Begleitet wurden solche theoretischen Versuche durch die zeittypische martialisch-rassistische Rhetorik in offiziellen Papieren. So erfolgte die Einladung zum 23. Schwäbischen Schachkongress im Juni 1941 mit den Worten: „Zum zweiten Male in diesem großen Kampf des nationalsozialistischen Deutschlands gegen seine plutokratisch-jüdischen Feinde ruft der Schachverband Württemberg-Hohenzollern seine Mitglieder zu einem Kriegs-Schachkongreß auf.“

In seinem 1943 in der Deutschen Schachzeitung erschienenen Aufsatz „Schach − Kampf und Kunst“ schrieb Emil Joseph Diemer: „Ich sehe in dieser Angst vor der Verantwortung, vor dem Risiko, vor der großen Tat, vor dem Gefährlich-Leben den letzten Ausdruck jüdischen Einflusses auf unsere Schachjugend. Warum sollte es auch im Schach anders sein, diesem Symbol des menschlichen Lebens, dieser Parallelerscheinung zu allen menschlichen Auseinandersetzungen auf kulturellem und politischem Gebiete, als auf allen anderen Gebieten des heutigen menschlichen Daseins? Hie Kampf, hie Maginotgeist!“