Schachmuseum Löberitz

Der Großdeutsche Schachbund erhielt nicht den Status einer Untergliederung der NSDAP oder einer der ihr angehörenden Unterorganisationen. Der GSB musste deshalb Ende 1933 das Hakenkreuz aus seinem Emblem entfernen. Wichtiger war, dass der Verband damit auch keine institutionelle Finanzierung beanspruchen konnte.

Trotzdem betrieb der Großdeutsche Schachbund eine intensive, politisch gewollte Aufwertung des deutschen Schachs, die möglicherweise vom Vorbild der Schachförderung in der Sowjetunion beeinflusst war. Größere Veranstaltungen und „Werbewochen“ sollten das Interesse am Spiel erhöhen. Im Oktober 1934 berichtete Otto Zander, gegenüber den rund 10.000 Mitgliedern des Deutschen Schachbundes im Jahr 1933 gehörten inzwischen 45.000 bis 50.000 Spieler dem neuen Gesamtverband an.

Neben dem ideologisch motivierten Ausschluss der Juden verfolgte der GSB mehrere Stoßrichtungen. Der Wettkampfcharakter des Schachs wurde hervorgehoben. So wurden die Bedingungen für die Vergabe der Meistertitel, die nur noch begrenzt für ein Jahr verliehen werden sollten, erheblich verschärft. Die Zahl der Ausscheidungsturniere für die „Meisterschaft von Deutschland“ erhöhte sich, und für die Turniere oberhalb der Landesebene wurden überregionale Zonen eingerichtet.

Auf der einen Seite stand eine materielle Förderung des Schachs durch den Staat, während gleichzeitig der Amateurcharakter des Spiels betont wurde. Bei Turnieren wurden folglich grundsätzlich keine Geldpreise mehr ausgesetzt, die Spieler erhielten dafür alle anfallenden Kosten der Teilnahme erstattet. Schließlich erlebte das Mannschaftsschach einen Aufschwung, wozu die Ausrichtung der ersten deutschen Mannschaftsmeisterschaft zählte.

Hinzu kam die Bemühung der Funktionäre und einer Reihe von nationalsozialistischen Schach-Publizisten, das Schach terminologisch zu militarisieren („Kampfschach“) und nach Kriegsbeginn die psychologische Bedeutung des „geistigen Wehrspiels“ für die Kriegsanstrengungen herauszustreichen.

Publizistisches Organ des GSB waren die Deutschen Schachblätter beziehungsweise 1943/44 als einzige verbliebene deutsche Schachzeitschrift die Deutsche Schachzeitung.